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Barmbeker Geschichte

(bitte etwas Geduld, die Bilder müssen geladen werden)

Die folgenden Texte sind der Auftakt zu einer kleinen Sammlung von Barmbeker Geschichte und Geschichten. Vielleicht mögen Sie mitmachen?
Gesucht werden Barmbeker/innen, die sich aus eigenem Erleben oder aus Erzählungen an "Damals" erinnern und darüber schreiben mögen, damit die Geschichten nicht verloren gehen - und wir suchen alte Fotos, Grafiken und Postkarten, um die Texte illustrieren zu können!

Mit freundlicher Genehmigung des Christians Verlages, Hamburg, durften Bilder übernommen werden aus dem leider vergriffenen Buch "Das alte Barmbek - Vergangenes zwischen Mundsburg und neuem Schützenhof" von Fritz Lachmund.
Wenn Sie ein einzelnes Bild anklicken, gelangen Sie zur vergrößerten Aufnahme.

 
Hamburger Strasse                        Hamburger Str./ Wagnerstrasse
links: Anfang Hamburger Str., Blick nach Norden   /   rechts: Hamburger Str. Höhe Wagnerstr., Ri. Mundsburg

Hamburger Str./Von-Essen's Garten                        Amsel-/Von-Essen-Strasse
links: Hamburger Straße, Von-Essen's Garten   /   rechts: Amselstraße, Ecke Von-Essen-Straße

Schleidenplatz                        Hamburger/Ecke Marschnerstr.
links: Schleidenpark (Biedermannplatz)   /   rechts: Hamburger Str. Ecke Marschnerstr., Ri. Dehnhaide

von Essen-/Lortzingstr.                        Maurienstrasse, Ecke Bramfelder Strasse
links: von Essen-Straße, Lortzingstraße   /   rechts: U-Bahnbrücke Maurienstr./Bramfelder Straße

Blick in die Volksdorfer Str.                        Wohldorfer/Hansdorfer Str.
links: Volksdorfer Str. von Hamb. Str.   /   rechts: Wohldorfer und Hansdorfer Straße
 
 

Das Dorf Barmbeck

Barmbeck, ehemals Bernbeck oder Bernebeke und nach dem gleichnamigen Flüsschen im Norden des Dorfes benannt (heute die Osterbek), ist nach vorgeschichtlichen Ausgrabungsfunden und alten Chroniken, die noch von großen Hünengräbern berichten, vermutlich älter als Hamburg.

Die älteste Urkunde aus dem Jahre 1271 berichtet, dass bereits im Jahre 1111 die Ritter von Strutz aus dem Hause Wedel von den Grafen von Schauenburg als Lehnsherren für das Dorf eingesetzt worden sind - Barmbeck war also ehemals ein Ritterdorf, jahrhundertelang von Wald umgeben, von vielen Eichen ist die Rede. Diese fielen nach und nach, verstärkt im 18. Jahrhundert, der Urbarmachung für die Landwirtschaft und dem Interesse der Hamburger Haus- und Schiffsbauer an Bauholz zum Opfer.

Heutige Straßennamen erinnern noch an Hufner und Käthner, die das Land bewirtschafteten: zu den Höfen der Hufner gehörte Land von 20 bis 40 Morgen, Käthner waren Kleinbauern mit wenigen Hektar Land, sie lebten in "Katen", oft recht ärmlichen Behausungen und mussten sich bei den großen Bauern verdingen, um überleben zu können.
Das Zentrum des Dorfes erstreckte sich vom Markt bis zum heutigen Käthnerort, die großen Höfe lagen vorwiegend entlang der Hufnerstraße, die diesen Namen seit 1862 trägt. Am Beginn der heutigen Straße Barmbeker Markt lagen der Dorfplatz und ein Dorfteich, von hier aus führten die alten Landstraßen in alle Himmelsrichtungen und natürlich in den Südwesten nach Hamburg, wo der Hauptanteil der landwirtschaftlichen Produkte verkauft oder in Speichern gelagert wurde.
(klicken Sie auf die Karte, um zur vergrößerten Version zu gelangen)

Barmbek 1870

Das Dorf stand seit dem 14. Jahrhundert unter dem Einfluss der Stadt, die sich bereits die Rechte an den Flüsschen Bernebeke und Eilenbeke gesichert hatte, als um 1350 das Hamburger Heiligengeist-Hospital mehrere Hufen zur Bewirtschaftung erstand.
Um 1355 geriet der bisherige Eigner, der Graf von Holstein (damals dänisch), in Geldnot und verkaufte dem Hospital die Dörfer Barmbeck, Eilbeck und Hohenfelde für 150 lübsche Mark. Neun Jahre später wurde das Gebiet um den Dulsberg, damals ein ca. 20 Meter hoher Hügel, zusätzlich erworben.

Barmbeck war mit 12 Vollbauernhöfen ("Hufen") am Anfang des 16. Jh. eines der größten Dörfer vor den Toren Hamburgs und blieb meist verschont von damals üblichen Raubritterzügen, doch der Dreißigjährige Krieg im 17. Jh. ging an dem Dorf nicht spurlos vorüber: Plünderungen und Heereseinquartierungen ruinierten die Bauern, die sich von ihren Höfen trennen und woanders Zuflucht suchen mussten.

Die nächste große Heimsuchung zu Beginn des 19. Jh. war die französische Herrschaft unter Napoleon, der sein Kaiserreich bis an die Lübecker Bucht ausdehnte. Die Befreiung Hamburgs und der umliegenden Dörfer durch die Kosaken war kein großer Gewinn, sie behandelten das eroberte Gebiet wie Feindesland. Nach Zurückeroberung durch die Franzosen wurden die Bauern restlos ausgeplündert und zu Fuhrdiensten herangezogen.
Ein weiterer Schicksalsschlag drohte: die Franzosen erwarteten Angriffe aus dem Norden von alliierten Truppen und ließen 1813 alle Häuser niederbrennen, die die Sicht versperrten oder den Feinden Schutz bieten konnten. Barmbeck wurde gerettet von dem Hamburger Gerhard Heinrich von Essen, der hier einen Landsitz besaß und offenbar einen guten Kontakt zum französischen Kommandanten pflegte. Für tausend Taler blieb das Dorf vor den Flammen bewahrt.

Als um 1814 auch die "Franzosenzeit" vorüber war, die in Hamburg und seiner Umgebung starke Spuren hinterlassen hatte, kam auch in Barmbeck das Leben wieder zur Ruhe. Ab 1825 wurde zur Belebung des Handels zweimal pro Jahr ein Markt abgehalten.
Die Verwaltung des Dorfes, seit der Reformation um 1529 in den Händen der "Oberalten", ging 1830 an die Stadt Hamburg über. Im Jahre 1871 wurde Barmbeck ein Vorort von Hamburg und schließlich - 1894 - endgültig eingemeindet.

 
Vom Dorf zur Stadt

Barmbeck war zwar bis in die 1860er Jahre ein Dorf mit bewirtschafteten Höfen innerhalb einer Feldmark, die in etwa den heutigen Grenzen der Stadtteile Barmbek Nord und Süd sowie Dulsberg entspricht, doch Veränderungen in Richtung Verstädterung fanden schon früher statt: bereits seit 1842 gab es einen Pferdeomnibus zwischen Hamburg und Barmbeck, das zu der Zeit ca. 1240 Einwohner zählte. Ab 1867 wurde diese Einrichtung durch eine komfortablere "Pferdeeisenbahn" ersetzt.
Um 1894, als Barmbeck ein Stadtteil Hamburgs wurde, nahmen die Alsterdampfboote ihren Betrieb auf, es gab Anlegestellen in Eilbek- und Osterbekkanal, und ab 1895 fuhren elektrische Straßenbahnen von Hamburg über Barmbeck bis nach Ohlsdorf und Bramfeld.
Das erste Barmbecker Bahnhofsgebäude entstand um 1905, hier konnten die Reisenden umsteigen in die Vorortsbahn, auch "Friedhofsbahn" genannt, weil sie bis nach Ohlsdorf fuhr und damit der gerade entstehende, große >>> Ohlsdorfer Friedhof zu erreichen war. Schon 1906 fuhr die erste Schnellbahn (heute die Linie S1) von Blankenese bis Barmbeck, kurz darauf bis Poppenbüttel.

Der Startschuss zur Entwicklung eines Vorortes, der innerhalb einer Generation zum bevölkerungsreichsten Stadtteil Hamburgs werden sollte, begann am 31. Dezember 1860, als nach langwierigen Abwägungen und Auseinandersetzungen in Hamburg die Torsperre fiel. Unternehmer und Geschäftsleute, die sich aufgrund von "Insiderwissen" teilweise schon vorher interessante Grundstücke - z.B. Uhlenhorst - gesichert hatten, strebten in die Umgebung außerhalb der Stadttore und begannen mit reger Bautätigkeit. Wohngebiete entstanden sehr schnell in Hamm und Hammerbrook. Zu den ersten großen Bauprojekten auf Barmbecker Gebiet zählten das Werk- und Armenhaus an der Oberaltenallee, der Hamburger Schützenhof, das Pestalozzistift an der nördlichen Hufnerstraße und der erste Trakt der "Irrenanstalt Friedrichsberg" auf dem Gelände des heutigen Krankenhauses Eilbek.

Neben städtischen Spekulanten betätigten sich auch bisherige Bauern in diesem neuen, lukrativen Wirtschaftszweig. Großer Bedarf an Baugrund war vorhanden, nicht nur für den Wohnungsbau, sondern auch für die Ansiedlung zahlreicher Industriebetriebe, hatte doch die Industriealisierung gerade erst richtig begonnen! Auch die Stadt Hamburg erwarb größere Grundstücksflächen.
Der umfassende Wohnungsbau fand zunächst im Süden des ehemaligen Dorfkerns statt, östlich und westlich der alten Hamburger Straße wurden auf dem Ackerboden eilig neue Straßenzüge mit Querverbindungen, Siel- und Gasanschlüssen gebaut in Richtung Eilbek- und Osterbekkanal und 4-5-geschossige Wohnblöcke aus dem Boden gestampft. Eile war geboten, weil im Hamburg der 1880er Jahre ein anderes Großprojekt seinen Lauf nahm: die Speicherstadt sollte errichtet werden, hierfür verloren etwa 24.000 Menschen ihre bisherigen, meist ärmlichen Unterkünfte, für die Ersatz geschaffen werden musste. Viele gerieten vom Regen in die Traufe, denn in den berüchtigten Barmbecker "Terrassen", lichtlosen, teils feuchten Hinterhöfen, dicht mit Wohnungen bebaut, konnte keine Lebensqualität aufkommen. Zu finden waren sie vorwiegend entlang der Hamburger Straße und den westlichen Seitenstraße, auf den ersten Blick nicht zu erkennen, da die teilweise prachtvollen Jugendstil-Vorderhäuser nicht sofort ahnen liessen, was sich hinter den sogenannten Torwegen verbarg. In kleinen 2-3-Zimmer-Wohnungen lebten bis zu zehnköpfige Familien!

       
Terrassenkinder

Doch auch Kaufleute siedelten sich in Barmbeck an, einige hatten ihre Kontor- und Lagerhäuser zugunsten der Speicherstadt verlassen müssen. Jenseits der Hamburger Straße gab es eine "feine Gegend" (Ausdruck einer alten Dame, die in den Terrassen der ehemaligen Rönnhaidstraße, heute Adolph-Schönfelder-Straße, aufgewachsen ist): das Viertel zwischen Hamburger Straße und Eilbekkanal, Wagner- und Richardstraße, Finkenau bis Lerchenfeld orientierte sich am angrenzenden Stadtteil Eilbe(c)k und blieb den besserverdienenden Neubarmbeckern vorbehalten. Hier waren die Gehwege mit Bäumen bepflanzt, es entstanden Einzelhäuser und Jugendstilvillen mit Vor- und Hintergärten, groß genug für Familien mit Hauspersonal, das u.a. aus den Arbeiterfamilien des ärmeren Barmbek rekrutiert wurde: die oft minderjährigen Mädchen gingen "in Stellung" und waren nach einer Kindheit, in der sogar das Bett mit Geschwistern geteilt werden musste, dankbar für ein fensterloses, eigenes Kämmerchen.

Das Dorf Barmbeck, um 1842 von ca. 1240 Seelen bewohnt, war bis 1894 zu einem Stadtteil mit 38.000 Einwohnern angewachsen und der Bauboom der "Gründerzeit" hielt an: weitere noch unbebaute Flächen wurden parzelliert und dicht bebaut, weitere Bausünden begangen, zu Beginn des 1. Weltkriegs lebten hier bereits annähernd 100.000 Menschen - zahlenmäßig eine Großstadt.

In den "goldenen Zwanzigern", nach 1. Weltkrieg, Inflation und Währungreform, wurden auch der Barmbecker Norden und Dulsberg erschlossen, diesmal von Stadtplanern auf dem Reißbrett entworfen. Alte Bebauungspläne, nach denen ebenfalls die bisher typischen großen Wohnbauten mit dunklen Hinterhöfen und Terrassen vorgesehen waren, wurden allerdings verworfen - inzwischen gab es in Hamburg den Oberbaudirektor  >>>  Fritz Schumacher, der menschenfreundlichere Quartiere im Sinn hatte. Dringend benötigter Wohnraum sollte schnell und günstig entstehen, aber auch neuen städtebaulichen Erkenntnissen entsprechen - der Dulsberg galt lange Zeit als vorbildliche Mustersiedlung und beherbergte vorwiegend neu zugezogene Arbeiter- und Handwerkerfamilien.
Um 1939 war Barmbeck das am dichtesten besiedelte Wohngebiet Hamburgs, ein ausgesprochener Arbeiterstadtteil, und beherbergte 200.000 Einwohner/innen.

 
Barmbeck als Industriegebiet

Die Industrialisierung Barmbecks ging einher mit dem Ausbau der Osterbek, dem ehemaligen Bach Bernebeke. Seit 1863 wurde der Kanal vom Langen Zug in Winterhude aus befestigt und schiffbar gemacht, so dass auf dem Wasserwege durch Transportschiffe und Schuten Rohmaterial vom Hafen über die Alster zu den neuen Betrieben gebracht und verarbeitet werden konnte.

       
links: Die Gaswerke am Osterbekkanal   /   rechts: New-York-Hamburger, Maurienstraße

Zu den größten neu angesiedelten Firmen gehörte die Hartgummifabrik "New-York-Hamburger Gummi-Waaren Compagnie" an der Maurienstraße, um 1870 entstanden, als das Gebiet nördlich des alten Dorfkerns noch Feldmark war. Nicht nur die günstigen Grundstückskosten waren für die Firmeninhaber Maurien und Poppenhusen attraktiv, sondern auch die Tatsache, dass die Osterbek damals auch Zollgrenze war: das nördliche Ufer galt als Zollausland und hatte Vorteile wie heute der Freihafen: importierte Rohstoffe wie der Naturkautschuk konnten zollfrei verarbeitet werden, erst wenn die Fertigprodukte auf den Markt kamen, waren Zollzahlungen fällig.
Der Betrieb beschäftigte um 1910 ca. 1100 Arbeiter/innen.

Das Gaswerk an der Osterbekstraße entstand 1876, die Müllverbrennungsanstalt am Alten Teichweg (Höhe Elsässer Strasse) um 1912. Sie wurde, inzwischen veraltet, 1939 geschlossen, als die Wohngebiete auf dem Dulsberg bereits erstellt waren und eine Verträglichkeit mit dieser Nachbarschaft wohl in Frage gestellt werden konnte.

Andere große Industriebetriebe waren die Firmen Ortmann & Herbst, Margarine-Voß und die Ichthyolfabrik am Suhrsweg, die zur Zeit ihrer Gründung vor dem ersten Weltkrieg noch auf der grünen Wiese standen und innerhalb weniger Jahre vom Wohnungsbau umgeben waren. Die einzige bis in die Gegenwart existierende Firma ist die Zahnradfabrik Rentsch am Alten Teichweg.

 
Soziales und Politik *)

Schon um die Jahrhundertwende hatte Barmbeck den Charakter eines Arbeiterwohnquartiers. Unter den Stadtteilen des damals noch kleinen Hamburg rangierten Barmbeck, Horn und das heutige Rothenburgsort hinsichtlich des Pro-Kopf-Einkommens am Ende. Bei den Reichstagswahlergebnissen der SPD dagegen lag Barmbek mit an der Spitze. Barmbecks SPD war eine beachtliche Größe innerhalb der Hamburger SPD, so wie die Hamburger in der Gesamtpartei. Zahlenmäßig! Wie es um die politische Stärke der "hanseatischen" SPD stand, war eine Frage für sich.

Der Riss, der die Arbeiterbewegung seit 1918 schwächte, ging auch durch Barmbeck hindurch. Auch durch manche Familien. Der kommunistische Aufstand 1923, dessen Hauptschauplatz Barmbeck war, wurde unter sozialdemokratischer Führung niedergeschlagen.
Gleichwohl bestand in Barmbeck - mehr in Süd als in Nord - bis '33 ein linkes Milieu, eine Gemeinsamkeit, die weniger auf der Nachbarschaft als auf der Organisationszugehörigkeit beruhte, die kaum mit "Filz", aber durchaus noch mit Klassenbewusstsein zu tun hatte. (Das Organisationsgeflecht reichte von Partei und Gewerkschaft über Arbeitersport, AWO, SAJ bis hin zu Nebenästen wie etwa den Arbeiterabstinenzlern.)

Bei der letzten Reichstagswahl im März '33 erzielten SPD und KPD zusammen in Barmbeck noch über 50% der Stimmen. Auch in Barmbeck gab es, wenigstens in den ersten Jahren, von beiden Seiten Widerstandsaktivitäten. Inwieweit Mitgliedschaft und Anhang innerlich resistent gegen das Regime blieben, ist schwer abzuschätzen.
Streiflichter: bei den sogenannten Wahlen '36 im Bezirk um den PRO-Block am Schleidenpark 26,7% Nein-Stimmen (außerordentlich) - nur ein einziger uns aus Barmbeck bekannter Fall eines jüdischen Menschen, der im Versteck vor der Deportation bewahrt wurde (die Mutter des Autors Ralph Giordano).

barmbek 1923

 
Der Untergang des alten Barmbeck

Barmbeck, der noch relativ junge und doch schon bevölkerungsreichste Stadtteil des damaligen Hamburg, wurde im zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört.

Am 18. Februar 1943 stellte ein gewisser Herr Göbbels auf einer Massenveranstaltung die Frage: "Wollt ihr den totalen Krieg?"
Die Antwort des wie hypnotisiert teilnehmenden Publikums ist hinreichend bekannt. Die Geschehnisse im weiteren Kriegsverlauf nahmen dramatische Formen an, sie führten letztlich zur Entscheidung der Alliierten, den Luftangriff gegen deutsche Städte und damit gegen Wirtschaft und Industrie zu führen. Doch es ging nicht um Eroberung. Der Großangriff auf Hamburg, der den Decknamen "Gomorrha" trug, hatte zum Ziel, eine 2-Millionenstadt völlig zu vernichten.

Barmbeck war nicht zuletzt aufgrund seiner Industriebetriebe ein Hauptziel der alliierten Fliegerangriffe, die sich zwischen dem 24. Juli und 2. August auf vier Nacht- und zwei Tagesangriffe konzentrierten, bei denen insgesamt mehr als 3000 Bombereinsätze stattfanden.
Etwa 11.000 Tonnen Brand- und Sprengbomben wurden auf fast alle Stadtteile abgeworfen, besonders schwer traf es Eimsbüttel, Hammerbrook, Rothenburgsort, Wedel, Hamm, Horn, Eilbeck und Barmbeck, also überwiegend dicht besiedelte Arbeiterwohnbezirke und gleichzeitig Industriestandorte. 23 Quadratkilometer Stadtgebiet wurden in ein Trümmerfeld verwandelt.

Augenzeugen berichteten von einem unglaublichen, heulenden Feuersturm, der als zusätzliches physikalisches, durch zahllose Brandbomben und besondere Witterung ausgelöstes Phänomen, in Orkanstärke durch die Straßen raste, Bäume, Menschen, brennende Dächer mit sich riss und Hitzegrade bis über 1000 Grad entwickelte. Davor gab es kein Entrinnen...

Zwischen 35- und 40.000 Menschen verloren während dieser Angriffe ihr Leben, genaue Zahlen konnten nie genannt werden, weil unzählige Opfer zu Asche verbrannt waren. Auch erfolgte nach dem ersten Angriff am 24. Juli der lebensrettende Aufruf an die Bevölkerung, das Stadtgebiet zu verlassen. Dies wurde von vielen Familien wahrgenommen, die rechtzeitig aufs Land oder in die Randgebiete der Stadt flüchteten.

Die Zahl der Verletzten konnte nur geschätzt werden - manche sprachen von einer Viertelmillion. Nach einer Dokumentation wurden in diesen Tagen zerstört oder schwer beschädigt:
"580 Industrie- und Rüstungsbetriebe, 2632 gewerbliche Betriebe, 379 Kontorhäuser, 24 Krankenhäuser, 277 Schulen, 257 Staats- und Parteiendienststellen."
Über 255.000 Wohnungen fielen den Luftangriffen anheim, das war etwa die Hälfte des gesamten Hamburger Wohnraumbestands. Fast eine Million Menschen waren wohnungslos geworden.

In Barmbeck war über 90 % der Bausubstanz nach den Angriffen komplett zerstört oder nicht mehr nutzbar, die Einwohnerzahl von 200.000 im Juli auf 15.000 im August 1943 gesunken.

Literatur: Hans Brunswig: "Feuersturm über Hamburg"; P. Paus: "Die Hölle von Hamburg"; Jörg Friedrich: "Der Brand", Erich Nossack: "Der Untergang"

Berichte über diese Zeit waren anlässlich der 60-jährigen Gedenktage im Internet zu finden unter
  www.zeit.de...
  www.spiegel.de...
  www.spiegel.de...
  www.abendblatt.de..., Teil 1         www.abendblatt.de..., Teil 2
  www.abendblatt.de..., Teil 3         www.abendblatt.de..., Teil 4
  www.abendblatt.de..., Teil 5         www.abendblatt.de..., Teil 6
  www.abendblatt.de..., Teil 7         www.abendblatt.de..., Teil 8
  www.abendblatt.de..., Teil 9         www.abendblatt.de...Gedenken
Nachkriegszeit

Niemand hätte sich angesichts der Trümmerwüste bei Kriegsende vorstellen können, dass bereits bis 1960 der Wiederaufbau der Wohnquartiere in Barmbek fast vollendet sein würde. (Ende der 40er Jahre wurde die offizielle Schreibweise von Barmbeck in Barmbek umgewandelt.)

Im Gegensatz zum Barmbeker Norden und Dulsberg, wo das städtebauliche Konzept Schumachers sich bewährt hatte und beim Wiederaufbau erhalten blieb, entstand der Barmbeker Süden in völlig neuem Stil. Die zerstörten, bisherigen Wohnblöcke, kompakte Straßenrandbebauungen mit dahinter liegenden, engen und lichtlosen Höfen und Terrassen, wurden großenteils ersetzt durch eher phantasielose Zeilenbauten, jedoch aufgelockert durch Grünstreifen und kleine Parkanlagen. Auch Straßenzüge wurden großzügiger angelegt und dem künftig erwarteten Verkehrsaufkommen gemäss verbreitert. Ein völlig neues Straßenbild bietet z.B. heute die ehemalige Einkaufs- und Flaniermeile Hamburger Straße, früher zweispurig und durch zweizeilige Bebauung getrennt von der Oberaltenallee (vom damaligen 'Flair' her etwa vergleichbar mit der Osterstraße in Eimsbüttel). Beide Straßen sind zwischen Mundsburg und Wagnerstraße inzwischen mehrspurig ausgebaut, lediglich ein Grünstreifen trennt sie heute voneinander.
In gleicher Länge entstand ab 1969 auf der Westseite das heutige Einkaufszentrum mit den drei Mundsburghochhäusern, mit beinahe 30 Stockwerken die höchsten Gebäude Hamburgs.

Nicht alle Stadtteilbewohner sind glücklich über die Planungsergebnisse, zum "Flanieren" lädt die Geschäftsstraße heute nicht mehr ein, Einzelhandelsgeschäfte entlang der Hamburger Straße und der nördlichen Verlängerung Barmbeker Markt sowie der östlichen Dehnhaide kämpfen ums Überleben, das Einkaufszentrum musste mehrfach aufwendig umgebaut und attraktiver gestaltet werden, weil der erwartete Käuferzustrom ausblieb.

An den alten Barmbeker Markt, ehemals Dorfzentrum und bis 1947 mit einem Dorfteich versehen, erinnert nur noch der Straßenname. Hamburger Straße und Barmbeker Markt sind heute als Teilstrecke einer Bundesstraße von der Alster über Bramfeld bis Poppenbüttel und in die Walddörfer mehrspurig ausgebaut. Die Kreuzung am Markt, wo die ebenfalls stark befahrenen Straßen Dehnheide und Weidestraße in Ost- und Westrichtung weiterführen, wird laut einer Verkehrszählung täglich von bis zu 44.000 Fahrzeugen genutzt. Diese Straßen spalten den Stadtteil auf in Quartiere, die nur noch wenig Bezug zueinander haben.
Auf dem ehemaligen Dorfteich steht inzwischen ein weiteres Hochhaus.

Und die Bewohner?
Die großflächige Zerstörung hatte natürlich zu Folge, dass die Menschen dorthin zogen, wo schnell preiswerter Wohnraum entstand. So gab es z.B. im benachbarten Bramfeld verschiedene neue Siedlungen des städtischen Wohnungsbauunternehmens Neue Heimat. Viele Barmbeker Familien hatten sich außerdem in den 20er und 30er Jahren der Schrebergartenbewegung angeschlossen, große Anlagen befanden sich auf Bramfelder, Steilshooper, Farmsener und Wandsbeker Gebiet. Die Gärten dienten nach der Ausbombung als Zuflucht, die Häuschen wurden - so gut es ging und soweit Material vorhanden war - winterfest gemacht und manche blieben dort wohnen, bis auch diese Siedlungen neuen Bauvorhaben weichen mussten. Doch insgesamt galt bis in die 60er Jahre die Parole "Zusammenrücken", zigtausende Flüchtlinge aus den Ostgebieten waren ebenfalls unterzubringen, nur langsam konnte die Wohnungsnot abgebaut werden.


"Der Mensch braucht auch Kultur..."

Auch aus der damaligen Notsituation heraus sind 'moderne' Bausünden zu erklären, wurden Planungsfehler gemacht, die im Nachkriegsbarmbek eklatante Mängel kultureller Art mit sich brachten, wie sie in Stadtteilen mit gewachsenen Strukturen weniger gravierend auftreten.
Zunächst war es wichtig, den Menschen wieder ein Dach über dem Kopf oder "eigene vier Wände" zu bieten. Doch die verloren gegangenen alten Nachbarschaften, die im Arbeiterstadtteil Barmbek auch ein sozial tragfähiges "Milieu" gewesen sind, liessen sich nicht einfach aus dem Boden stampfen. Zwar zogen nach und nach auch viele alte Barmbeker/innen wieder zurück in ihre alte Heimat, doch es war ein richtiger Neubeginn und das Fehlen alter Treffpunkte, sozialer und kultureller Institutionen wie die Vernachlässigung solcher Einrichtungen bei der Neubebauung trugen dazu bei, dass der Barmbeker Süden seine alte Anziehungskraft nicht wieder fand und lange als gesichtslos und langweilig galt.

Gesucht werden Berichte über das kulturelle Leben in Barmbek in Vor- und Nachkriegszeit - wer erinnert sich? Wer kann davon erzählen???

Andere Themen sollen sein:

  • Einzelne Gebäude und ihre Geschichten
  • Berühmte Barmbeker/innen
  • Straßennamen
  • Einzelne Geschichten und Anekdoten, an die sich Menschen aus Barmbek erinnern.
Weitere Ideen sind sehr willkommen! Wenn Sie sich als Hobbyredakteur/in an diesen Seiten beteiligen möchten, senden Sie Texte per e-Mail an www.hallo-barmbek.de!

*) Daten, die von der Geschichtswerkstatt Barmbek zur Verfügung gestellt wurden.
Die übrigen Texte sind Zusammenfassungen aus verschiedenen Quellen über Alt-Barmbeck, auch Erzählungen von Barmbeker/innen sind eingeflossen, die hier leben oder gelebt haben und sich an alte Zeiten erinnern.
 
Aufruf der Geschichtswerkstatt Barmbek zur Absicht der gegenwärtigen Hamburger Regierung, allen 14 Geschichtswerkstätten die Gelder zu streichen.

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